Willkommen zum Blog: Gebärdensprachrohr!

Schön, dass ihr hier her gefunden habt.

In diesem Blog werden Videos und Texte von tauben Personen, also Gehörlosen, Schwerhörigen, CI-Trägern und Spätertaubten gezeigt, in denen sie über ihre Barriere-Erfahrungen mit Hörenden und in ihrem Leben erzählen.

Bisher wurden wir immer daran gehindert, unsere „Geschichten“ zu erzählen, weil wir in der „Hörenden-Welt“ weitgehend ignoriert werden. Dieser Blog soll dem ein Ende setzen: hier werden unsere Videos untertitelt, damit Hörende erreicht werden. Mit der Untertitelung und DGS-Übersetzung von Texten wollen wir ein Zeichen setzen, wie Barrierefreiheit aussehen kann.

In diesem Blog habt ihr die Möglichkeit, zu erfahren, in was für einer Welt wir leben und womit wir tagtäglich konfrontiert werden.

Wir hoffen, dass eure Neugier siegt und ihr unsere „Welt“ besucht.

Hier geht’s zu den Erfahrungsberichten.

Erfahrungsbericht zum Thema Polizei und Notruf

Ein anonymer Bericht:

Bei mir viele passiert.
* Polizei
Ich fahre mit mein Auto auf der Bundesstraße und plötzlich mein Auto stehen bleiben. Es können nicht weiter fahren und war kaputt mein Auto. Damals hatte  ich kein Handy. Zufall habe ich die Telefonstelle gesehen. Aber. Ich kann nicht hören und sowieso nicht verstehen mitkommen. Im Nacht war ich ganz allein auf der Bundesstraße gestehen. Ich versuche “Schrei” im Telefonstelle und wiederholen Schrei. Leider war  ich fast halb Stunde gewartet. Plötzlich kommt 2 Männer zu mir und wollte mich gefragt, was passiert es. Anfangen hatte ich total Angst. Ich erklären 2 junge Männer, Bitte holt ADAC oder Polizei. Er macht für mich. Aber. Beide Männer fahrt schnell weg und mich ohne Hilfen. Boah… Ich warte noch länger im  Auto. Hilflos. Plötzlich kommt 4 Ehepaar zu mir schauen und Hilfen. Sie wollte mich gefragt, was ist los. Bitte Polizei anrufen. Sie sagt, ok ich mache sofort. Auf einmal kommt der Polizei zu mir vorbei. Gott sein Dank. Ich bin schon Erleichert. Die Ehepaar fahrt weiter. Danke für die 4 Ehepaar. Die Polizei hat mir so viele Fragen stellen. Mein Gott. Dann fahren wir alle zusammen zu meine Freundin vorbei kommen. Die Polizei und ich stehen so lange vor die Tür von meine Freundin. Meine Freundin schläft noch. Zum Glück gehabt, weil meine Freundin wach schon und mich geholt. Leider habe ich fast 3 Tag nichts geschläft. Ich habe noch nie erlebt. So was.
Ich war damals wirklich hilflos weil ich kein Handy dabei war.
Wir müssen nach Berlin dabei und kämpfen weiter. Wir alle werden niemals aufgeben. Stop…..25 Jahre genug gewartet. Aber. Jetzt Schluss. Gebärdensprache macht stark!!!. Sehr wichtig für uns….

DGS-Video folgt noch.

Danke an die Person, die den Text erstellt hat und die Erlaubnis zum Veröffentlichen gegeben hat!

Erfahrungsbericht zum Thema Bahn und Bahnhof

Ein anonymer Bericht:

Ich freue mich immer mit der Bahn zu fahren, weil es bequem und schnell ist, trotz einiger Verspätungen. Aber egal .. nur es ärgert mich immer wieder, wenn die Durchsage im Zug läuft. Oft bin ich unsicher, welche Information es überall im Zug verbreitet wurde, war es wichtig? Ist es eine Verspätung angesagt oder Gleiswechsel? .. Das ist wirklich eine sehr große Barriere für Tauben, Schwerhörigen, Alterschwerhörige und sonstige ..

Auf dem Gleis warten wir ja wie immer auf dem Zug. Es gibt sogenannte digitale Schilder, die anzeigen, wann der Zug kommt und manchmal auch die Verspätungen. Das ist alles bestens ja .. nur es gibt einige Male, die nur durch die Durchsage informiert wird, dass der Zug auf einem anderen Gleis ankommen wird. Einige Male habe ich wirklich den Zug verpasst, nur weil die Durchsage nicht auf dem digitalen Schilder übersetzt wurde.

DGS-Video folgt noch.

Danke an die Person, die den Text erstellt hat und die Erlaubnis zum Veröffentlichen gegeben hat!

Erfahrungsbericht Sozialpsychiatrischen Dienst | Polizei | Langzeitstherapie | Fachklinik

Ein anonymer Bericht:

Ich war bereits mit 13 süchtig und nahm verschiedene Drogen, so dass ich später an bipolare Störung, Internetsucht und Fettsucht litt.
Als ich mit 15 nicht mehr weiterleben wollte. Ich versuchte mich mit Tabletten umzubringen und wurde unglücklicherweise (heute sehe ich das als positiv, denn ich bin sehr glücklich, am Leben zu sein und Lebensfreude zu spüren) von meiner Mutter gefunden. Sie brachte mich mithilfe von einen Nachbar zur Krankenhaus, wo mein Magen ausgepumpt worden war.
Dann kam eine Psychiaterin und wollte mit mir reden, doch es war keine/n Gebärdensprachdolmetscher/in anwesend, also wurde ich für 12 Stunden in der Intensivstation bewacht und anschließend in der geschlossene Psychiatrie verfrachtet. Ich wurde nicht informiert und wusste von nichts.
In der Psychiatrie bekam ich ein paar Beruhigungspillen, die ich jedoch unauffällig wieder rausspucken konnte, und versuchte der erstes Fluchtversuch, doch ich sah spät ein, dass ich keine Chance hatte. Die Fenster bestanden aus Panzerglas, und ich war total verzweifelt zu dem Zeitpunkt. Am nächsten Morgen kam eine Psychiaterin zu mir und wollte mit mir sprechen, doch ich war ausgerastet, weil die Kommunikation nicht reibungslos verlief und immer noch keine Gebärdensprachdolmetscher/in da war. Mein resthöriger Vater kam vorbei und setzte sich mit der Psychiaterin zu einem Gespräch.
Zu dem Zeitpunkt des Gesprächs durfte ich mich vor dem Psychiatrie bewegen und startete meinen erfolgreichen Fluchtversuch.
Zwei Stunden später war ich wieder im Elternhaus und wurde von meiner Mutter in Empfang genommen. Später kam mein Vater von der Psychiatrie zurück und erzählte mir, dass er nicht die Zwangeinweisung unterschrieben habe und sich Sorgen um mich gemacht hatte. Wir sprachen untereinander ab, dass ich bei jedem Problem zu ihnen gehen konnte und ich nicht ins Psychiatrie musste.

Ich hatte immer wieder Suizidgedanken und wollte nicht wirklich sterben, doch waren die Gedanken so stark, dass ich nicht mehr wusste, wohin ich mit der Gedanken gehen sollte, also weihte ich die wenige Menschen ein. Und eine ehemalige Freundin rief die Polizei an, weil sie der Ansicht war, dass ich mich diesmal umbringen wollte. Polizei kam und holte mich in der Revier, wo die Sozialpsychiatrischen Dienst dazu kam. Der Polizist hatte mir kurz vorher versichert, dass eine Dolmetscherin kommen würde, und als ich die zwei Frauen von der Sozialpsychiatrischen Dienst sah, erkannte ich, dass ich am Arsch war. Der Polizist meinte ironisch, dass ich sehr gut sprechen und vom Lippen absehen konnte, und natürlich war ich ausgerastet. Ein Dialog mit der Sozialpsychiatrischen Dienst erfolgte, weil die eine Praktikantin von der Psychiaterin, wie es sich später herausstellte, ein wenig Erfahrungen mit taube Menschen hatte, eine Konversation mithilfe von Computer vorgeschlagen hatte. Ich ging darauf ein und schrieb mit ihr gut eine Stunde lang, dann trafen wir gemeinsam eine Vereinbarung, dass ich morgen mit einer Dolmetscherin zu der Tagesklinik gehen sollte. So war ich frei.

Meine bisherige Erfahrungen mit der Psychiatrie und Polizei grenzen an der Ohnmacht, Wut und Verzweiflung – und heute im Rückblick kann ich sagen, wie oft ich mich damals alleine empfunden hatte und mein einziger Glück war: meine Intelligenz. Ich ließ mich nicht unterbuttern oder manipulieren, sondern setzte mich durch.

Ich war überall da, ob Lengerich, Dötlingen oder in meiner Heimatstadt und unterzog mich in der Entgiftung, Psychotherapie, Entwöhnungsbehandlung etc. Kaum davon hatte mich so richtig von der Sucht befreien können. Ich fand keinen Zugang zu einer wirklich barrierefreien Kommunikation (auch in der Fachklinik für Hörgeschädigte) ohne auf der Strecke bleiben zu müssen.

Die viele Jahre in dem schwarzen Loch haben mich zu einem besseren Mensch gelehrt, und ich wusste, dass ich eines Tages ins Licht gelangen konnte. Denn ich war nicht immer ein Scheißmensch, doch ich wusste nicht, wohin ich gehen sollte.

Bis ich eines Tages durch Bekannten einer freie evangelische Gemeinde besuchte, auch wenn ich eine Atheistin bin, wurde viel gesungen und predigt. Ein Predigt über die Liebe traf mich bis aufs Mark. Ich fragte der dgs-kompetenter Gläubiger, der für uns Tauben die Gesagte in DGS übersetze, ob für mich die Möglichkeit bestünde, in einer Gruppe für Menschen auf der Suche nach dem Sinn beizutreten. Die Absage tat mir weh, und ich konnte nicht mehr weiter und verließ die Gemeinde ohne zu ahnen, dass er hinter mir gefolgt war. Er holte mich ein und hörte zu, was ich auf dem Herz hatte. Dann fragte er, ob er mich segnen durfte, worauf ich bejahte. Er sprach von der Liebe des Gottes zu alle Menschen und segnete mich – für mich als Atheistin eine sehr ungewöhnliche Situation, doch das war der ersten Schritt zur Selbstbefreiung. Jeder hat einen Gott in sich. Mensch ohne Ego = Gott – dieses Erkenntnis war knallhart, doch sehr notwendig. Ich danke diese Person für diese Segnung.

Ich unternahm kleine Schritten und fiel immer wieder in der alten Verhaltens- und Denkmuster bis an einem Tag, an dem sich mein Leben verändert hatte. Eine Freundin kam zu Besuch und weihte mich in ihre schlimmste Erlebnis ein, zur selben Zeit lief das Kinofilm meines Lebens vor meinen Augen. Ich erkannte, dass ich mich selbst versklavt hatte und zog einen Schlussstrich durch. Wie aus heiterem Himmel habe ich mit der Drogen aufgehört und übe mich jeden Tag mit positive Affirmation (Glaubenssätze), verschwanden auch die psychische Störungen und die schlecht-machende Lebensweisen.

Doch gibt es in meinem Leben immer wieder was, was mich sehr nachdenklich macht: die Barrieren im Leben und in der Gesellschaft und die Hürden, die meine Gleichgesinnten, Freunde, Familie und neue Menschen durchmachen müssen, nur weil sie taub oder hörgeschädigt und auf die Deutsche Gebärdensprache angewiesen sind.

Ich bin sehr froh über der Blog.

xxx xxx xxx

Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten,
die viele kleine Schritte tun,
können das Gesicht der Welt verändern.

DGS-Video folgt noch.

Danke an die Person, die den Text erstellt hat und die Erlaubnis zum Veröffentlichen gegeben hat!

Erfahrungsbericht zum Thema Schule und Schulamt

Ein Bericht von Svea Krshiwoblozki:

Wir freuen uns sehr, dass meine Tochter am 10.08.2013 eingeschult wird. Ich bin Anouks Mama und bin TAUB. Mein Name lautet Svea von Krshiwoblozki. Meine Tochter und ich kommunizieren miteinander in der Deutschen Gebärdensprache-DGS. Sie wächst bilingual auf, in der Kita und mit der Großmutter wendet sie die Deutsche Lautsprache an.
Nun wird unsere große Freude auf die bevorstehende Einschulung stark getrübt:
Ich brauche für die Einschulungsfeier einen Gebärdensprachdolmetscher.
Vom Schulamt per Email vom 28.5.2013 wie auch telefonisch am 30.5.2013 habe ich die Information bekommen, dass die Kostenübernahme SCHON ABGELEHNT wird bevor ich den Antrag gestellt habe, mit der Begründung, es sei kein „Verwaltungsakt“ (Telefon) und keine „erstattungsfähige Veranstaltung“ der Schule (Mail).
Ich kann also an diesem sehr wichtigen Ereignis mit und für meine Tochter und für die ganze Familie NICHT TEILHABEN!!! Ich werde DISKRIMINIERT!!!

Meine Anliegen sind folgende:

1. Die Einstufung der Einschulung als WICHTIG und/oder als Verwaltungsakt in der Schulordnung!

Denn mein Kind kann nicht allein zur Einschulung gehen. Das Einschulungskind sollte unbedingt an der Einschulung teilnehmen. Außerdem sollte es bei diesem Start in den neuen Lebensabschnitt in Begleitung seiner Familie sein. Wichtigster Bestandteil der Familie meiner Tochter bin ich. Ich habe ein Recht auf Teilhabe an gesellschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen, siehe SGB IX, § 57 und § 58, Abs. 2. Ich möchte barrierefreien kommunikativen Zugang zu dieser Schule, was die schulische Laufbahn meines Kindes betrifft. Dazu gehört die Einschulung.

2. Die Kostenübernahme der Dolmetscherkosten zu dem Satz 55€ pro Stunde ab der Haustür zzgl. 0,30€ pro km Wegegeld zzgl. Umsatzsteuer zzgl. Doppeltbesetzung ab der Dauer von 60 min. Dies ist der Satz im JVEG § 5 Abs. 2, § 8, § 9 Abs. 3!

Dies ist der qualitativ anerkannte Stundensatz für die Dolmetscher. Die Qualität der Leistung muss gesichert sein. Gerade auch in BERLIN. Die alte Honorarverordnung muss SCHNELLSTMÖGLICHST ABGESCHAFFT WERDEN UND DAS JVEG ALS KOSTENGESETZ FÜR ALLE DOLMETSCHEREINSÄTZE GELTEN!

3. Die Bezahlung der Dolmetscherkosten erfolgt per Rechnung des Dolmetschers an das Schulamt, welches die Rechnung direkt an den Dolmetscher begleicht zu dem Preis von Punkt 2!
Das jetzige Procedere mit Vorauskasse vom behinderten Elternteil für 55€ die Std. usw. sowie danach erfolgender Antragsstellung beim Schulamt mit Ablehnung z.B. der Einschulung oder nur Kostenerstattung bei einer normalen Elternversammlung i.d.H.v. 46,60€ IST ABSOLUT UNZUMUTBAR!!!

a. In Anbetracht dessen, dass ich außerdem für den Billigpreis keine Dolmetscher finde, gehe ich grundsätzlich nicht in Vorkasse. Beim Arzt, beim Gericht, beim Jugendamt, bei der Polizei, im Museum… überall läuft es per Rechnung des Dolmetschers an den zuständigen Kostenträger, ohne dass der Betroffene in schlimmste finanzielle Situationen gestürzt wird oder nicht teilhaben darf.

b. Ich bin zur Zeit noch AlgII-Empfängerin und bald Studentin, aus diesem Grunde ist eine Vorauszahlung der Dolmetscherkosten ausgeschlossen. Generell hat die Teilhabe am SCHUL-Leben nicht per Vorauskasse zu erfolgen, und damit nur für „vermögende“ Behinderte machbar zu sein!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung und das Einsetzen der SCHNELLEN ENTSCHEIDUNGSGEWALT und wir wollen und soo gern auf die EINSCHULUNG FREUEN!!!!

Mit freundlichen Grüßen Svea von Krshiwoblozki

DGS-Video folgt noch.

Vielen Dank an Svea für die Veröffentlichung des Textes!

Erfahrungsbericht zu den Themen: Frauenhäuser, Fernstudium, Krankenhäuser, Sterbebegleitung

Vielen Dank für die Einsendung des Videos!

Text zum Video:

Weiterlesen